Haben Sie Vorurteile? Sicher nicht?

Nein?
Glückwunsch. Lassen Sie uns das doch einmal mit Röntgenblick durchleuchten, in aller Wertschätzung.

Was sagt ihr Kopf zum Thema Vorurteile? Schön wäre, wenn wir nur denken, was wir denken wollen. Leider denkt das Gehirn aber gern mal ohne uns. Geschätzt mindestens 80 Prozent der Zeit.

 

Und woher kommt das?

 

Ein Experiment mit Schülern (Lehrerin Jane Elliot, dritte Klasse) zeigte, dass schon Schüler leicht Vorurteile übernehmen und „pflegen“. Von der Lehrerin für einen Tag in blau- und braunäugige unterteilt und mit dem Vorurteil gefüttert, dass Blauäugige „besser“ seien, änderten die Kinder ihr Verhalten radikal. Blauäugige schikanierten Braunäugige. Am nächsten Tag, mit der Information, nun seien die Braunäugigen „besser“, kehrte sich das Verhalten um. Und die Leistungen der „schlechteren“ Gruppe sinken tatsächlich.

 

Ähnliche Experimente gibt es zuhauf. So kann zum Beispiel eine Frau, die vor einer Gruppe Männer einparken soll, tatsächlich fast immer deutlich schlechter einparken als üblich. Das Vorurteil sitzt also nicht nur im Kopf der Männer oder besser gesagt, der „anderen“ Gruppe.

Solange wir gelassen sind, brechen Vorurteile normalerweise nicht durch, wir sind besonnen und gehen nett mit unserem Umfeld um. Je mehr Stress wir allerdings haben, desto mehr schaltet das bewusste Denken sich ab – unbewusste Vorurteile kommen nach oben wie die Sahne im Kaffee. Leider. Seien Sie geduldig, wenn jemand Ihnen gegenüber plötzlich grob wird – es ist wahrscheinlich irgendein Stress.

Außerdem ist das Gehirn ein Energieverbraucher, der darauf ausgelegt ist, im Stromsparmodus zu arbeiten. Wir wissen, dass bestimmte Annahmen Unsinn sind. Aber unser Gehirn kennt diese Annahmen halt und arbeitet gern auf Autopilot. Und schwupps – ehe wir uns versehen, sind sie an die Oberfläche gekommen. Kopierer leer, ein Mann verschwindet um die Ecke: „Männer eben“. Frau hat einmal eine Vorfahrt missachtet: „Frau am Steuer eben“ und so weiter.

 

Was können wir nun in einem Unternehmen oder in Schulen dagegen tun, dass Vorurteile sich einnisten?

 

Die Jigsaw- oder Puzzle-Methode (E. Aronson) baut darauf, dass Aufgaben zerlegt und von verschiedenen Menschen oder Gruppen erledigt und wieder zusammengeführt werden. Damit verbessert sich grundlegend Zusammenarbeit und Verständnis füreinander, Vorurteile schwinden.

Also lassen Sie uns mehr zusammen arbeiten. Geteilte Aufgaben versprechen besseres Verständnis. Und die Zusammenarbeit wird künftig noch besser. Die Lösungen sicherlich auch.

 

Viel Erfolg dabei wünscht Ihre

Beate Hackmann

 

P.S.:
Möchten Sie sich einmal testen? Wie gut zum Beispiel schätzen Sie sich selbst ein darin, Menschen gleich zu behandeln? Beeinflusst etwa die Hautfarbe Sie? Sie können sich selbst prüfen im sogenannten IAT-Test (implicit associaton test), mit dem bestimmt werden kann, in welchem Maß unsere unbewussten Assoziationen unser Denken und Verhalten beeinflussen. Der Test misst ansatzweise, was wir wirklich denken, jenseits unserer bewussten Formulierungen. Unbewusste oder bewusste (Selbst-)Täuschungen werden sichtbar. So haben zum Beispiel im Durchschnitt nur rund 17 Prozent der Teilnehmer eine neutrale Einstellung zur Hautfarbe. Testen Sie sich doch einfach selbst einmal unter: https://implicit.harvard.edu/implicit/germany/ und lassen Sie sich überraschen.

 

 

P.P.S.:
Mehr dazu im Kapitel 2 meines Buchs „bunt gewinnt“ – lassen Sie sich überraschen von mehr spannenden Geschichten und Tatsachen rund ums Thema. Damit Sie noch bewusster und klarer denken können. Oder nehmen Sie gleich Kontakt zu mir auf. Mein Training zum Thema Menschenkenntnis ebnet auf humorvolle Weise und nachhaltig den Weg zu besserer Zusammenarbeit.