Gebrauchsanweisung fürs Laufen lernen – oder warum Kontrolle meist schädlich ist

Alles Gute für das nicht mehr ganz so junge neue Jahr! 

 

Und gleich haben uns die mehr oder weniger alten Themen wieder - ich hoffe, das bringt für Sie nur Angenehmes und Erfolg.
Denkanstöße können wir ja alle immer wieder mal gebrauchen. Deshalb geht es hier gleich weiter: 

 

Haben Sie schon einmal versucht, nach einer Gebrauchsanweisung zu gehen?
Probieren Sie es ruhig einmal aus, jedes Detail eines Schritts bewusst zu überlegen und umzusetzen.

Und: Ist es Ihnen gelungen?

Es geht nicht!
Kinder lernen laufen, indem Sie probieren, Misserfolge und Erfolge erzielen und lernen. So lange, bis aus einer quasi unlösbaren Aufgabe eine Selbstverständlichkeit geworden ist.

Unternehmen dagegen versuchen heute meist, über viele Regeln, viele Kontrollen mündige, selbständige Mitarbeiter zu erzeugen. Der Kontrollwunsch ist so stark gewachsen, dass weit über jedes notwendige Maß hinaus reguliert und kontrolliert wird. Die Folge: Eine Misstrauenskultur, die die Menschen durch die vielen Vorgaben und Regelungen lähmt und ihre Begeisterung erstickt. Wer soll da noch selbständig vorwärts gehen können? Und wer wagt es noch? 

 

„Ach hätte ich doch nur selbständige Mitarbeiter“ sagen die Führungskräfte. Und werfen mit Vorschriften und Handbüchern nach ihnen, wenn sie sich bewegen. Statt die Unternehmensenergie dahin zu setzen, dass Regeln, Vorschriften und Kontrollen auf ein Mindestmaß begrenzt werden, dass bei Einführen neuer Regeln geprüft wird, was dafür weg kann, wird munter bürokratisch aufgehäuft, was geht. Doch mehr ist nicht besser. Aus Unterstützung wird Lähmung. Noch dazu können die Beschäftigten sich verstecken hinter den Regeln – „das stand da nicht“ oder „das hat mir keiner gesagt“.

 

Der Grundgedanke hinter dem Regulierungswunsch: Misstrauen.
Doch ein chinesisches Sprichwort sagt: „Misstraust Du einem Menschen, so stelle ihn nicht ein. Stellst du ihn aber ein, so misstraue ihm nicht.“

 

Und was zieht dieses hinter Regeln versteckte Misstrauen nach sich? Wo – aus einem echten Beispiel – jede Tasse Kaffee einen Compliance-Bericht erfordert, erstickt Eigeninitiative – im schlimmsten Fall wächst die Bereitschaft der Menschen, es „denen“ heimzuzahlen, die ihnen solcherart misstrauen. Starke, funktionierende Gehirne werden auf Linie getrimmt, darauf, gerade nicht mehr selbständig zu arbeiten. Was sinnvoll und wichtig ist im Unternehmen, wird im Regelungsdickicht unsichtbar. Regeln haben Vorfahrt vor selbständigem Denken.

 

Das Roman-Herzog-Institut hat ausgemacht, dass das Maß an Vertrauen in der Gesellschaft Wohlfahrt und Wettbewerbsfähigkeit einer Nation wesentlich mitbestimmt. Vertrauen ist der kulturelle Schlüssel zum Wohlstand, zu größerem Wirtschaftswachstum und höherer Lebenszufriedenheit. Also eben nicht Regeln ohne Ende.

 

Der bessere Weg: So wenig Regelung und Kontrolle wie möglich. Die Gemeinde Drachten in den Niederlanden hat erfolgreich in der Innenstadt alle Verkehrszeichen und Ampeln entfernen lassen. Das Ergebnis: Mehr Mitdenken und Rücksichtnahme und ein drastischer Rückgang der Unfallzahlen.

 

Und das Unternehmen Netflix hat sich bewusst gegen Regelungen entschieden, die ohnehin nur jene rund 3 Prozent betrügerischer Mitarbeiter betreffen und die Devise ausgegeben: „Handeln Sie in Netflix Interesse“. Geht es Netflix damit schlecht? Nein! Netflix wird nicht enttäuscht und wächst ebenfalls rasant.

 

Mein Tipp zur Förderung besserer Zusammenarbeit und des besseren Umgangs mit Menschen: Wirken Sie mit aller Kraft auf eine sinnvolle Reduktion von Kontrollen und Regelungen hin. Befreien Sie die Menschen, damit sie auf moderne Weise in modernen Unternehmen arbeiten können. Mehr Vertrauen ist eine Reduktion von Komplexität. Und die können wir alle angesichts ohnehin komplexer Zeiten gut brauchen!

 

Unkomplizierte Zeiten wünscht Ihre
Beate Hackmann

P.S.: 

Sie möchten mehr Informationen und praktische Ratschläge?
In Kapitel 8 des Buchs „bunt gewinnt“ finden Sie mehr dazu:

  • wie sehr die heutige Unternehmenskultur auf Misstrauen basiert – und wie hinderlich das für den Erfolg ist,
  • warum es erforderlich ist, Kontrollen und Vertrauen auf den Prüfstand zu stellen,
  • warum Vertrauen Führungspflicht ist
  • und außerdem, wie der Flow-Tex-Skandal, große deutsch Automobilbauer, gute betriebliche Vorschläge und ihr Missbrauch, Reinhard K. Sprenger und die schon bekannte Fahrschule von Mike Fischer damit zusammen hängen.

 

P.P.S.: 
Und wenn Sie tatkräftig daran gehen wollen, in Ihrem Unternehmen mehr PS auf die Straße zu bringen, indem die Menschen besser mit Kollegen oder Kunden zusammenarbeiten: Mein Training "Farben der Persönlichkeit" wirkt Wunder! Sprechen Sie mich an.