Was Loriot und Diversity gemeinsam haben

1.      Was Diversity und Loriot miteinander zu tun haben, ein erster Erfolgsschlüssel und ein Tipp

 

Schön, dass Sie da sind!

 

Was bei vielem Engagement in Sachen Diversity oder Heterogenität herauskommt, empfinden manche ähnlich wie Loriot, vor dem im Gourmetrestaurant der Deckel seines Tellers gelüftet wird, als „übersichtlich“. Wenig auf dem Teller, weniger als erwartet, wohlsortiert, aber irgendwie nicht zufriedenstellend ist das, was den Kenner erwartet, nachdem der Deckel gelüftet und der Gegenstand des Interesses beäugt wird. Geht es Ihnen manchmal auch so bei Ihrem Engagement rund ums Thema Heterogenität?

 

Sicher nicht wegen der fehlenden Vorbereitung oder Ernsthaftigkeit oder Gründlichkeit. Möglicherweise, weil der Umgang mit diesem Thema besondere Anforderungen stellt. Anforderungen, die in der Fülle der Details leicht aus dem Blick geraten. Die Studie Women Matter ermittelt sogar eine innere Widerstandshaltung zum Beispiel gegenüber gender diversity.

 

Was wäre, wenn wir über innere Widerstände Bescheid wüssten und sie so gut wie möglich umgehen könnten? Die Geschichte von Sir Simon Rattle und Royston Maldoom aus meinem Buch „bunt gewinnt“ hier in aller Kürze: Stellen Sie sich zwei Männer vor, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Der Eine von hoher Bildung und Kultiviertheit, der Andere streetsmart, beide visionär und inspirierend. Und beide finden zusammen, vollbringen in kürzester Zeit eben wegen ihrer „bunten“ Zusammensetzung unter den ungünstigsten Bedingungen eine Leistung von Weltruhm. Die Berliner Philharmoniker wagen unter Rattles Leitung ein sechs Wochen dauerndes Tanzprojekt mit 250 Berliner Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen, darunter etliche „Problemfälle“ aus den sozialen Brennpunkten Berlins. Maldoom übernimmt die Choreografie. Orchester und Tänzer wachsen zusammen in einer überwältigend emotionalen Aufführung von Igor Stravinskys Ballett „Le sacre du printemps“.

Das Vorhaben wirkte zu Anfang wie der Versuch, Ordnung und Chaos zu verschmelzen, die Quadratur des Kreises zu schaffen. Laotse, ein chinesischer Philosoph, der Legende nach im 6. Jahrhundert vor Christus lebend, soll gesagt haben: Alle sagten, es geht nicht. Daher machte es keiner. Bis einer kam, der wusste das nicht. Und machte es einfach. So handelten Rattle und Maldoom.

Können Sie sich das in einem, in Ihrem Unternehmen vorstellen? Menschen zusammenwürfeln und versuchen, daraus eine erfolgreiche Gemeinschaft zu bilden? Der weltbekannte Dirigent und der inzwischen ebenso bekannte Choreograph schafften es: Sie und Ihre Mitstreiter begeisterten Tausende von Menschen mit dem Projekt „Rhythm is it“, berührten und inspirierten die Akteure und darüber hinaus Tausende Zuschauer. Es wird geweint, gejubelt und gefeiert.

 

Warum?
Verschiedene Kulturen, verschiedene Geschlechter, verschiedenes Alter, verschiedene Bildungs- und Entwicklungsstände, verschiedene Charaktere, verschiedene Interessen sind zu einem harmonischen Ganzen geworden. Jeder Teilnehmer und die Zuschauer erleben Heterogenität in Reinform, erleben, was entstehen kann in dieser Vielfalt und was möglich ist selbst unter den schwierigsten Umständen. Weil hier nicht das Werk, das Unternehmen im Vordergrund stand, sondern DIE MENSCHEN. So bekommt das Werk Tiefe, quasi eine dritte Dimension.

Die „Leader“ Rattle und Maldoom unterstützten die Teilnehmer darin, neue Wege zu finden, sich zu entwickeln. Weg von einschränkenden Emotionen zu mehr Kraft zu finden, zum Willen, ihre Potenziale zu erschließen. So konnten sie Motivation schaffen und den Willen, mitzuwirken. Es galt, ein Ziel zu erfüllen, die Idee umzusetzen. Dabei hatte jeder seine Aufgabe zu erfüllen. Und die konnte sich im Projektverlauf ändern, je nach gezeigten Fähigkeiten und Entwicklung.

 

Und warum gelang das? Wo war der Schlüssel zum Erfolg?

Widerstände gab es auch hier reichlich. Auch Lehrer, die ihre Schüler beim Projekt Rhythm is it begleiteten, hielten viel für unmöglich, sahen Gefahren für Menschen und leisteten Widerstand. Doch mit der Zeit stellten sie fest, wie ihre Schüler über alle Erwartungen hinaus wuchsen, Fähigkeiten und eine Begeisterung entwickelten, die im Schulalltag bisher undenkbar waren. Jenseits aller gängigen Rezepte entstand etwas bisher Undenkbares. Menschen, die unterschiedlich sind und jeder ihren Teil beitragen, die ihre eigenen, unterschiedliche, ja schwierigen Hintergründe haben, mit ihren eigenen Beschränkungen umgehen, ihre Grenzen kennen lernen und erweitern wollen. Und ihre Emotionen mitbringen. Das Ergebnis ist, dass eine große Kraft freigesetzt werden kann, Begeisterung, Identifikation, Freude, der Wille, mitzuwirken, manchmal auch durchzuhalten.

 

Und das hat wenig mit klassischem Management zu tun. Denn hier wurden keine Unterschiede gemanagt, sondern es wurde VERTRAUEN vorausgeschickt und dann unterstützt, entwickelt und gesteuert. Nicht in dem Zwang, dass eine Stelle auf Gedeih und Verderb auszufüllen ist – sondern lebendig, fließend, offen für Veränderungen.

 

Das Fazit:

Es kommt entscheidend darauf an, WIE wir die Menschen zusammen bringen, weniger auf das „wen“. Pflegen Sie die Kommunikation und vor allem: Schenken Sie den Menschen Vertrauen.

 

P.S.:

Vielleicht gönnen Sie Sie sich den Spaß und die Unterhaltung mit dem Film „Rhythm is it“. Lassen Sie sich einfach mitreißen von dieser Geschichte.

Lesen Sie hier: „bunt gewinnt“, Kapitel 1, mehr dazu, welcher Gewinn in Heterogenität steckt. Und in Kapitel 2,

·         über Erfolgsgeschichten gelebter Diversity in Firmen,

·      was Heterogenität mit Ideen zu tun hat,  

·      wie leichter Beschäftigte gewonnen werden können und

       was Scotch M3, Tesco, Matratzen, Kodak, eine Reederei und eine Fahrschule mit Diversity zu tun haben.

Hier gehts zum Buch: https://www.amazon.de/dp/3446449280/